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Versprochen, aber nicht geliefert? Warum Billigfleisch trotz großer Ankündigungen weiter in den Supermarktregalen liegt

Alexas_Fotos (CC0), Pixabay

Der Lebensmitteleinzelhandel wollte mit einem Imagewechsel punkten: Aldi, Lidl, Rewe und Penny kündigten Anfang 2025 an, sich vom billigsten Fleisch aus den gesetzlichen Mindesthaltungen zu verabschieden. Doch auch Monate nach dem angekündigten Ausstieg finden Verbraucher weiterhin Fleisch der Haltungsform 1 in den Kühlregalen. Kritiker werfen den Handelsketten vor, mit großen Versprechen zu werben, die in der Praxis nur teilweise umgesetzt werden.

„Schluss mit Billigfleisch“ – diese Botschaft sorgte Anfang 2025 für Schlagzeilen. Die großen Handelsketten versprachen, Fleisch aus der Haltungsform 1 schrittweise auszulisten. Bis Ende 2025 sollte die niedrigste Haltungsstufe, die lediglich den gesetzlichen Mindestanforderungen entspricht, aus den Regalen verschwinden. Spätestens bis 2030 sollte Haltungsform 3 mit mehr Platz und Außenklima zum Standard werden.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus.

Verbraucher findet weiterhin Fleisch der Haltungsform 1

MDR-AKTUELL-Hörer Jörg Wille entdeckte in einer Penny-Filiale Rindfleisch mit der Kennzeichnung „Haltungsform 1“. Ausgerechnet bei einem Unternehmen also, das den Ausstieg öffentlich angekündigt hatte.

Der Fall zeigt ein grundlegendes Problem: Zwischen den Werbeversprechen der Handelsketten und dem tatsächlichen Angebot klafft offenbar weiterhin eine Lücke.

Große Ankündigungen, langsame Umsetzung

Der Handel verweist darauf, dass sich die Ankündigungen schrittweise umsetzen ließen und insbesondere beim Rindfleisch längere Übergangsfristen nötig seien. Doch genau diese Differenzierung ging in der öffentlichen Kommunikation weitgehend unter.

Für viele Verbraucher entstand der Eindruck, Fleisch der niedrigsten Haltungsform gehöre bereits der Vergangenheit an. Tatsächlich liegt es vielerorts weiterhin in den Kühltheken.

Die Frage drängt sich auf: War die Ankündigung vor allem ein PR-Erfolg?

Noch immer dominiert Billigfleisch

Besonders deutlich wird die Diskrepanz beim Blick auf die Marktanteile.

Nach Angaben von Greenpeace stammen noch immer rund 80 Prozent des in Supermärkten angebotenen Fleisches aus den Haltungsformen 1 und 2. Beide Stufen bieten lediglich geringe Verbesserungen gegenüber den gesetzlichen Mindeststandards. Von einem grundlegenden Wandel kann daher bislang keine Rede sein.

Die ambitionierten Ziele des Handels stehen damit in einem deutlichen Gegensatz zum tatsächlichen Angebot.

Der Preis entscheidet noch immer

Ein wesentlicher Grund liegt im Preisdruck.

Billigfleisch bleibt für viele Kunden attraktiv. Angesichts hoher Lebensmittelpreise greifen zahlreiche Verbraucher weiterhin zum günstigsten Produkt. Gleichzeitig locken Supermärkte regelmäßig mit besonders preiswerten Fleischangeboten in Prospekten und Werbekampagnen.

Damit entsteht ein Widerspruch: Öffentlich werben die Unternehmen mit mehr Tierwohl, im harten Wettbewerb setzen sie aber weiterhin auf niedrige Preise als wichtiges Verkaufsargument.

Bauern können nicht über Nacht umbauen

Auch die Landwirtschaft verweist auf praktische Grenzen.

Der Deutsche Bauernverband betont, dass die Haltungsform 1 rechtmäßig sei und den gesetzlichen Anforderungen entspreche. Viele Betriebe hätten Millionen in bestehende Stallanlagen investiert. Ein Umbau auf höhere Tierwohlstandards koste Zeit und viel Geld.

Gerade bei Rindern seien Investitionen besonders aufwendig, weil Tiere über mehrere Jahre gehalten würden und Stallanlagen langfristig ausgelegt seien.

Ohne langfristige Abnahmegarantien und höhere Erzeugerpreise seien viele Betriebe kaum bereit oder in der Lage, ihre Haltung umzustellen.

Wer trägt die Verantwortung?

Der Fall zeigt, dass sich die Verantwortung nicht allein auf die Landwirtschaft schieben lässt.

Der Handel bestimmt mit seinem Einkauf maßgeblich, welche Produkte angeboten werden. Gleichzeitig entscheidet er über die Preisgestaltung und wirbt regelmäßig mit Sonderangeboten für Fleisch.

Solange Supermärkte auf der einen Seite höhere Tierwohlstandards versprechen und auf der anderen Seite weiterhin günstiges Fleisch aus den niedrigsten Haltungsformen verkaufen, bleibt der Vorwurf der Doppelstrategie bestehen.

Verbraucher brauchen Ehrlichkeit statt Werbeslogans

Viele Kunden sind bereit, für mehr Tierwohl mehr Geld zu bezahlen – allerdings nur, wenn sie nachvollziehen können, wofür sie bezahlen. Umso wichtiger wäre eine transparente Kommunikation.

Wenn sich der Ausstieg aus der Haltungsform 1 nur auf einzelne Fleischarten bezieht oder deutlich länger dauert als angekündigt, sollte dies offen kommuniziert werden. Pauschale Aussagen wie „Schluss mit Billigfleisch“ wecken Erwartungen, die derzeit offensichtlich noch nicht erfüllt werden.

Fazit

Der angekündigte Abschied vom Billigfleisch ist bislang eher ein langfristiges Ziel als gelebte Realität. Die Handelsketten haben hohe Erwartungen geweckt, doch der Wandel vollzieht sich deutlich langsamer als viele Verbraucher annehmen.

Solange der überwiegende Teil des Fleischangebots weiterhin aus den unteren Haltungsformen stammt und selbst Unternehmen mit Ausstiegsankündigungen noch Produkte der Haltungsform 1 verkaufen, bleibt die Kritik berechtigt: Zwischen Marketing und Marktregal besteht noch immer eine erhebliche Lücke.

https://verbraucherschutzforum.berlin/

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