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Wieso Captain William Shatner alias „James T. Kirk “, zusammen mit Jeff Bezos, für die kommende Generation von Pensionisten spannend sein wird

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Am 13. Oktober 2021 flog William Shatner mit 90 Jahren in einer Kapsel über 100km hoch und damit in den Weltraum. Er überwand damit die berühmte Karman-Linie, welche den Flugorbit vom Weltraum trennt. Er wurde damit zum ältesten Menschen, welcher jemals im Weltraum war. Nach dem Flug meinte er: „I’m so filled with emotion with what just happened, I hope I never recover from this“[1].

Wiliam Shatner, aus einer ausgewanderten Ukrainer Familie und geboren in Kanada, hat nun 90 Lenze erreicht. Er ist beinahe allen bekannt als Captain des Raumschiffes Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung nicht nur 5 Jahre lang unterwegs war, um neue Welten zu erforschen, sondern danach auch die entsprechenden Fernsehbildschirme auf der ganzen Welt eroberte. Der weltweite Fan Hype führte zu weiteren Verfilmungen und im Laufe der Jahre zu immer größerer Popularität des Schauspielers.

Shatner hatte es aber nicht immer so leicht in seinem Leben. Zu Beginn der Fernsehserie Raumschiff Enterprise war er bereits Vater und musste seine Familie durchbringen. Nach der Beendigung der Serie in den sechziger Jahren war er sogar zeitenweise obdachlos. In den siebziger Jahren hatte er drei Kinder und war vollkommen pleite. In dieser Zeit lebte er von der Hand in den Mund, sodass er sich nicht einmal ein Hotel leisten hatte können. Als Notlösung schlief er einfach in seinem Wagen. In seinem Pick-up Truck hatte er einen kleinen Ofen, eine Toilette und seinen Hund. Mit dieser Ausrüstung ist er einfach von Theater zu Theater gefahren. Auch der Alkohol spielte in seinem Leben nicht gerade eine untergeordnete Rolle.

Aber im Laufe der Jahre erholte er sich finanziell und Ende der siebziger Jahre begannen die ersten Kinoverfilmungen des Raumschiff Enterprise`. Shatner bewies sich in seiner Notlage als wahres Multitalent. Er begann Bücher zu schreiben, arrangierte Songs für verschiedene Künstler und wurde im Laufe der Jahre immer umtriebiger. Heute sieht man ihn auch auf verschiedenen Internetkanälen, da er die Liebe zu den neuen Medien gefunden hat.

Abgesehen davon, dass es für Bezos sicherlich auch um marketingstrategische Gründe geht, so zeigt dieses Beispiel aber, wie agil und flexibel man im Alter sein kann. Shatner stellt wohl den einen Prototypen eines Pensionisten dar, welcher, bei entsprechender Gesundheit, nie aufgehört hat Pläne für die Zukunft zu schmieden und sich aktiv mit seiner Gegenwart auseinanderzusetzen.  In der Psychologie spricht man hier von überaus großen Ressourcen und Resilienz gegenüber den Hindernissen und Bodenwellen des Lebens.

Unsere Welt befindet sich in einer ständigen Veränderung. Die Kriegsgeneration wollte vergessen und sich auf die Pension freuen. Diese Generation konnte dies auch noch tun. Es waren die Jahre der Prosperität und die Pensionssysteme waren noch belastbar. Der sogenannte Generationenvertrag schien gegeben. Es gab nur wenige, welche im Ruhestand weiterarbeiten wollten. Die Lebenserwartung dieser Generation war auch entsprechend niedriger als jene der heutigen.

Die heutige Generation wird älter und bleibt länger gesund. Gleichzeitig werden die Pensionen weniger. Dennoch schafft der Staat nur wenige Anreize über das Pensionsalter hinaus zu arbeiten. Ein Blick in die Pensionsstatistiken zeigt, dass auch heute nur ein sehr kleiner Teil bis über das 65. Lebensjahr hinaus arbeitet. Arbeiten über das Pensionsalter hinaus wird nicht wirklich honoriert. Die derzeitigen Systeme führen sehr schnell bei Kalkulation der Möglichkeiten dazu, dass sich sehr viele für eine Frühpension entscheiden. Wer hat schon Lust zwischen seinem 55. und 65. Lebensjahr für nur noch nicht einmal 200 € mehr Pension im Monat zu arbeiten? Viele ziehen schon vorher die Reißleine und verabschieden sich, so es geht, noch vor dem regulären Pensionsalter aus dem Arbeitsleben. Junge Menschen kalkulieren sogar noch radikaler. Warum sollte man arbeiten, wenn die Sozialgelder beinahe gleich hoch sind wie der Gehalt eines 40 Stunden Jobs? Junge Fachärzte etwa, obwohl in Österreich oder Deutschland ausgebildet, müssen um ihre Familien zu ernähren ins Ausland gehen. Weniger gut ausgebildete junge Menschen haben noch schlechtere Perspektiven.

Entsprechende Vorbereitungen, auch wenn es verfrüht erscheint, müssten in der Gesellschaft schon früher verankert werden, um die Menschen auf eine erstrebenswerte Alternative und eine mögliche Pension vorzubereiten. Dies in vielerlei Hinsicht.

Einerseits haben die heutigen Generationen viel mehr Möglichkeiten, um sich über zukünftige Pensionen besser informieren zu können. Andererseits lernen aber gerade die heutigen Generationen sehr wenig darüber, welche Faktoren auch im Alter erstrebenswert und sinnvoll sein könnten, um ein erfülltes Leben zu führen.

Leichtfertig spricht man von Y-Generationen und ähnlichen Begriffen, um damit eine Work-Life-Balance dieser Generationen anzudeuten. Es darf dabei aber nicht vergessen werden, dass man auch diesen Generationen eine Perspektive bieten muss.

Vergangene Politikergenerationen haben es verabsäumt sich mit diesem Problem aktiv auseinanderzusetzen. Ihnen waren die kurzfristigen Wählerstimmen wichtiger. Dennoch stehen wir heute vor ungelösten Pensionsproblemen und eine zukünftige Generation vor einem absehbaren Scherbenhaufen ihrer Möglichkeiten. Diese Problematiken werden sich in Zukunft verschärfen.

Wenn die Gesellschaft eine Pensionsgeneration will, welche „wie Captain Kirk auf der Brücke bleibt“ so bedürfen wir vollkommen neuer Regelmechanismen, um diese Probleme meistern zu können.

Salvatore Giacomuzzi

[1] https://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-10087899/William-Shatner-three-set-launch-62-miles-Earth-Blue-Origins-New-Shepard.html?ito=push-notification&ci=v73hGP4YM6&cri=eZP6fWac-w&si=43721941&xi=95ef7cf5-daad-430b-af20-a95ac3546bd0&ai=10087899