Start Anlegerschutz Wie die Corona Krise die Aktienmärkte beeinflusst

Wie die Corona Krise die Aktienmärkte beeinflusst

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An den Börsen kommt es aktuell weltweit dazu, dass die Aktienkurse fallen wie lange nicht mehr. Dieser negative Trend steht direkt mit der Pandemie durch den Corona Virus in Verbindung. Der Aktienindex MSCI World, welcher über 1500 Aktienkurse aus 23 Industriestaaten darstellt, ist vom Hoch im Februar bis Ende März um ungefähr 30 Prozent gefallen. Sogenannte ETFs (Indexfonds, die an der Börse gehandelt werden) erfreuten sich beispielsweise großer Beliebtheit in den letzten Jahren. Gegen März stürzte ihr Wert von ihrem Hoch wieder auf das Niveau von 2016 ab. Dies verdeutlicht die Ernsthaftigkeit dieser Krise.

Corona hat direkte Auswirkungen auf die globale Wirtschaft

Mittlerweile sind sie für jeden spürbar: Die Auswirkungen des Virus auf unsere Wirtschaft. Denn mittlerweile reist niemand mehr, der Markt für Tourismus ist also tot. Das schadet auch allen Fluglinien, denn diese müssen ihre Flugzeuge am Boden halten. Hersteller von Automobilen sehen sich gezwungen, die Produktion zu stoppen. Zudem ist die gesamte Nachfrage nach Produkten in und aus China unterirdisch tief und alle Großveranstaltungen sind abgesagt worden. Die deutsche Kontaktsperre schränkt auch unsere Dienstleister ein. Folglich liegen die Ursachen des Einbruches von mehreren Aktienkursen nicht ausschließlich bei der Verunsicherung der Bevölkerung durch den Virus, sondern auch an messbaren Einbußen der Unternehmen weltweit.

Europäischer Markt verbucht massive Verluste

Selbst der DAX (Deutscher Aktien Index) muss schwindelerregende Einbußen verzeichnen. Seit dem Allzeithoch am 17. Februar dieses Jahres hat auch er mehr als 30 Prozent an Wert verloren. Andere europäische Börsen zeigen ähnliche Muster. Egal ob Italien, Spanien oder Frankreich, in jedem Land gibt es riesige Verluste was die jeweilige Börse anbelangt. Lediglich der Markt der Schweizer wirkt noch relativ stabil.

Auch Schwellenländer sind geschädigt

Die Verluste der chinesischen Börse sind bislang noch am geringsten. Am Schlimmsten getroffen hat es Brasilien, denn dort ist der Verlust auf ungefähr 50 Prozent gestiegen. Dennoch sind die Schwellenländer im Moment ein wenig besser dran als die Industrieländer. Denn der MSCI Emerging Markets liegt momentan bei 24 Prozent im Minus, (Marktindex für Schwellenländer) der MSCI World schon bei 27 Prozent.

Die aktuelle Lage in der Finanzwelt ist als extrem zu bezeichnen. Dennoch ist sie nicht einzigartig oder einmalig. Der Markt stürzte in seiner Geschichte bereits mehrere Male ab. So sank der amerikanische Index Dow Jones Industrial im Oktober des Jahres 1987 an einem einzigen Tag um ganze 20 Prozent. Die Weltwirtschaftskrise 2008 führte zu einem Absturz des MSCI World für Euro-Anleger um 48 Prozent. Der große Absturz der letzten Tage und Wochen folgt aber einer sehr guten Zeit für den Markt. So lag der Euro alleine im Jahr 2019 um mehr als 30 Prozent zu, und viele Aktien befanden sich auf ihrem Allzeithoch. Doch solche riesigen Abstürze sind normal in der Welt der Finanzen und sollten dementsprechend professionell behandelt werden.

Wie verschiedene Anla­geklassen betroffen sind und wann kaufen Sinn ergibt

Ein Großteil der Fonds sind aufgrund der Corona Krise extrem gefallen. Selbst das sonst so stabile Gold zeigte nur für kurze Zeit Stabilität. Genauso geschadet hat die Krise der Kryptowährung. Denn der Wert von Bitcoin hat sich im Laufe der letzten Wochen halbiert.

Auch Gold zeit­weise im Minus

Die Krisenwährung überhaupt, nämlich Gold, war zu Beginn der Krise durch die Pandemie durchaus noch stabil. So konnten Besitzer mit einem hohen Anteil an Gold den gesamten Verlust vermindern. Nach einigen Tagen fiel jedoch auch der Preis für Gold auf den Märkten. Dies könnte aufgrund des Dranges nach Liquidation geschehen sein. Extrem viele Anleger wollen ihr Geld in solchen Krisenzeiten lieber liquide haben und verkaufen so ihre Anlagen. Bei einer großen Masse dieser Verkäufe sinkt der Preis von Gold leider auch. Dennoch bleibt Gold auf lange Sicht gesehen eine gute Investition.

Betroffen sind nicht lediglich Edelmetalle wie Gold oder Silber, sondern auch Kupfer als Basismetall. Die Rohstoffpreise stürzten, ähnlich der Finanzkrise 2008, extrem ab. So musste der Dow Jones Commodity Index in einer Zeitspanne von zwei Wochen über 40 Prozent an Wert einbüßen. Noch schlimmer ist der Verfall der Preise im Energiesektor. Der Rückgang der Rohölpreise führte zu einem Verlust des MSCI AC World Energy Index von über 50 Prozent. Da der Rohstoff Rohöl Auswirkungen auf zahlreiche Fonds hat, wirkt sich dieser Verfall auf viele Märkte aus. Daher sollten Investoren keine großen Anteile ihres Geldes in Rohstoffe legen.

Anleihen als Stabilitäts­anker, wann kaufen?

Staatsanleihen behielten ihre Funktion zu Anfang der globalen Krise noch. Jedoch wachsen die Ausgaben der Regierungen mit der Zeit immer mehr und schneller, sodass sich das Risiko von Staatsanleihen erhöht. Darunter fallen extrem hohe Kosten im Gesundheitswesen sowie Unterstützungszahlungen für die jeweilige nationale Wirtschaft. Das erhöht das Risiko von Staats­anleihen. Besonders Italien sieht sich vor scheinbar unüberwindbaren Probleme. Selbstverständlich sind aber auch Deutschland und andere europäische Staaten betroffen. Die EZB (Europäische Zentralbank) in Frankfurt kündigte am 18. März ein Notkaufprogramm von Anleihen in einer Höhe von 750 Milliarden Euro an. Nach der Ankündigung stiegen die Kurse wieder, liegen aktuell jedoch immer noch im Minus mit ungefähr 2 Prozent.

Die nach­haltigen Aktien erweisen sich als stabiler

Im Vergleich zum konventionellen MSCI World schneidet der nachhaltige MSCI Word SRI besser ab. So verlor er ungefähr zwei Prozent weniger als der MSCI World. Der MSCI World SRI ist sogar weniger riskant als der normale MSCI World Index, trotz dessen, dass letzterer mehr Aktien enthält. Selbst die Schwankungsbreiten sind minimal geringer als beim allgemeinen Index. Während im herkömm­lichen Index 1.600 Aktien vorhanden sind, findet man im Nach­haltig­keits­index ungefähr 400.
Der nachhaltige Index unterstützt beispielsweise keine Atomkraft oder auch Waffenhersteller. Zudem sind Unternehmen, die Kontroversität bei ihren Geschäften zeigen oder Kinderarbeit nutzen, nicht enthalten. Außerdem sind viele Firmen kein Teil des nachhaltigen Index, da sie in Sachen Nachhaltigkeit schlecht abschneiden.

Offene Immobilienfonds: Liquidität gesichert durch Halte­fristen

Selbst die Kurse der Immobiliengesellschaften sind nun unter Druck. Offene Fonds für Immobilien ergeben an dieser Stelle eventuell Sinn. Denn beispielsweise in Großbritannien werden bereits ein paar der Anteile von einigen Immobilienfonds nicht mehr zurückgenommen. Derzeit könnten die Gutachter aufgrund der Krise die Immobilien nicht bewerten.
Bei uns in Deutschland ist so etwas jedoch laut den Anbietern nicht zu befürchten. „Bei uns kommt eine andere Bewertungs­praxis zur Anwendung“, sagt Esteban de Lope von Deka Immobilien. Die Immobilien werden hier nach dem sogenannten Ertragswertverfahren in Preis untersucht und bewertet. Dafür werden die auf lange Sicht erzielbaren Mieten zur Berechnung genutzt. Schwankungen in den Preisen und somit auch auf dem Markt können so eingeschränkt werden. Deshalb sei eine längerfristige Ertragskraft der Immobilien keine Frage, sondern Fakt. Mario Schüttauf, Manager des Fonds Haus­invest, sieht die lang­fristige Ertrags­kraft aufgrund der Krise ebenfalls nicht gefährdet: „Diese Krise ist ein temporäres Ereignis, keine Dauer­krise.“ Immobilien der Fonds ziehen sich immer vierteljährlich einer neuen Bewertung unter. „Begehungen der Objekte können derzeit zwar aufgrund Reise­restriktionen und anderen behördlichen Auflagen nicht normal vorgenommen werden“, sagt Markus Temme von Union Investment, eine Bewertung ist aber trotz dessen möglich.

Außerdem soll es einen weiteren Unterschied zwischen deutschen und britischen Immobilienmärkten geben. In Großbritannien soll es schon zum Ende des Jahres 2019 einige mittelstarke Abstürze gegeben haben. Haltefristen für die Anleger sorgen so für das Wohl der Werte im Gegensatz zu britischen Fonds.

Deshalb sei eine Krise wie sie nach der Pleite der amerikanischen Bank Lehman Brothers sehr unwahrscheinlich. Investoren, die seit dem Jahr 2013 offene Immobilienfonds nutzen, müssen ihr Investment mindestens ein Jahr lang besitzen. Zudem gilt es, eine einjährige Kündigungsfrist zu beachten. Falls jemand schnell verkaufen will, so muss er das über den Börsenmarkt tun. Dort muss jedoch mit Abschlägen gerechnet werden.