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Zahlen bitte: V+ GmbH & Co. Fonds 1 KG – V+ GmbH & Co. Fonds 2 KG – V+ GmbH & Co. Fonds 3 KG

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Natürlich haben wir auch Rechtsanwalt Jens Reime um ein kurzes Interview gebeten bzgl. der Forderungen, die nun vom Liquidator aufgefordert werden ihre Raten auf einen Schlag zu bezahlen. Rechtsanwalt Reime hat derzeit wohl die meisten V+ Fonds Mandate von Anlegern.

diebewertung.de: Herr Rechtsanwalt Reime, Sie vertreten über 1.500 Anleger der V+ Fonds. Jetzt will offenbar die XOLARIS als Liquidator über die Kanzlei Dr. Pforr von rund 3.000 von säumigen Ratenzahlern fast 50 Millionen Euro einklagen. Was halten Sie davon?

RA Reime: Gar nichts! Es wäre der Job der Fondsverwaltung gewesen, dieses Geld in den letzten Jahren einzuklagen, um es für Investitionen verwenden zu können. Ich halte dieses beabsichtige Vorgehen im hohen Maße für treuwidrig sowohl gegenüber den Einmalzahlern als auch gegenüber den Säumigen.

diebewertung.de: Sie haben aber für über 1.000 Anleger für die Liquidation zur letzten Gesellschafter-versammlung gestimmt. Warum?

RA Reime: Viele Ratenzahler haben das Vertrauen in ihre Fonds verloren und Raten vorenthalten. In unzähligen Gesprächen mit ihnen war von Falschberatung die Rede und herrschte großes Unverständnis über die Fondskonstruktion.

Die rapide sinkenden Einnahmen monatlicher Raten seit 2016 zwang die Fondsverwaltung dazu, diese Liquidationsbeschlüsse zur Disposition der Gesellschafter zu stellen. Mit deren Bestätigung sind dann die Voraussetzung dafür geschaffen worden, dass die Kapitalvernichtung durch die hohen Kosten der Service KVG beendet wird, den Einmalzahlern zu schnell wie möglich die Werte ihrer Beteiligungen ausgezahlt und die Haftung der Ratenzahler beendet werden können. Nun gilt es, einen gerechten Ausgleich der unterschiedlichen Anlegerinteressen zu erreichen.

diebewertung.de: Da wird ja immer eine bestimmte BGH-Entscheidung von Januar 2018 zitiert, wenn es um offene Raten geht. Was hat es damit auf sich?

RA Reime: In II ZR 108/18 steht nicht, dass alle V+Anleger alle offenen Raten einzahlen müssen. Diese Entscheidung ist auch nicht gegen einen V+Anleger ergangen.

Es bestehen daher hohe prozessuale Risiken für die Fonds, würden sie tatsächlich alle offenen Raten klageweise geltend machen wollen. Zudem darf man eine weitere Entscheidung des BGH (II ZR103/17) von Juli 2018 nicht unberücksichtigt lassen.

Dort ist ausdrücklich festgehalten dass, der Anspruch auf Zahlung der noch nicht erbrachten Kommanditeinlage nur zu Abwicklungszwecken oder zur Durchführung des Innenausgleichs unter Gesellschaftern angefordert werden kann, wenn diese zur Durchführung der Abwicklung erforderlich ist, die Beweislast hierzu liegt beim Liquidator

und

bezüglich des Innenausgleichs unter Gesellschaftern muss der Liquidator einen Ausgleichsplan erstellen, der dann für jeden einzelnen Anleger einen Passivsaldo aufweist, dieser Passivsaldo kann der Liquidator dann geltend machen.

Einen solchen Ausgleichsplan kenne ich nicht und dessen Erstellung ohne einen bestätigten Jahresabschluss für 2019 dürfte schwer sein.

diebewertung.de: Was ist Ihr Plan?

RA Reime: Auf gar keinen Fall werden wir empfehlen, der Zahlungsaufforderung oder etwaigen geringen Nachlässen nachzukommen. Dies wäre voreilig und zu teuer. Für unsere vielen Mandanten werden wir die Verhandlungsmasse auszunutzen wissen.

Es dürfte auf der Hand liegen, dass bislang nicht benötigte 50 Millionen Euro jetzt in der Liquidation erst recht nicht in voller Höhe benötigt werden. Zudem liegt die Justiz derzeit wegen der COVID-19 Pandemie defacto lahm, so dass die nächsten 8 Wochen für die Anleger äußerst lukrative Einigungen zu einem Bruchteil der offenen Raten – wenn überhaupt – und Kosten ohne Gerichtsverfahren möglich sei dürften.

Herr Reime, wir danken für Ihre Ausführungen

Thomas Bremer - www.diebewertung.de