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V + Fonds 2 KG: Erneut Vermittler verurteilt – Oberlandesgericht München spricht Klartext

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V + Fonds 2 KG: Erneut Vermittler verurteilt – Oberlandesgericht München spricht Klartext
Berlin 11. 8. 2020
Das Oberlandesgericht München hat sich mit einem Beschluss vom 03.08.2020 deutlich zu den Beratungspflichten eines Vermittlers im Zusammenhang mit einer Kapitalanlage am V+ Fonds 2 KG geäußert. Nachdem der Kapitalanlagenberaters bereits erstinstanzlich vom Landgericht Landshut zu Schadensersatz verurteilt wurde, hatte er Berufung eingelegt. Nach Ansicht der Oberlandesrichter hat diese allerdings keinerlei Aussicht auf Erfolg. Erfreulich klar stellt das Oberlandesgericht dabei die Pflichten des Beraters zur Prospektübergabe, zur Aufklärung über die Weichkosten und zu den Inhalten des Informationsprotokoll fest. Rechtsanwalt Christian-H. Röhlke, der den geprellten Anleger vor dem Landgericht Landshut und dem Oberlandesgericht München vertreten hat, erläutert:
„Zunächst einmal wiederholt das Oberlandesgericht die Grundsätze des Bundesgerichtshofes zu den Pflichten des Kapitalanlagenberaters. Er schuldet eine anleger- und anlagegerechte Beratung und kann diese entweder durch mündliche Aufklärung erfüllen oder durch Übergabe eines inhaltlich richtigen und vollständigen Emissionsprospektes lang genug vor der Vertragsunterzeichnung. Schon hier hapert es in den meisten V+-Fällen, da durch das Informationsprotokoll häufig belegt ist, dass der Prospekt erst am Tage der Unterzeichnung überreicht wurde. Eine solche Übergabe ist, das hält das Oberlandesgericht auch hier fest, nicht rechtzeitig. Wenn aber die Beratung nicht durch rechtzeitige Übergabe des Emissionsprospektes stattfindet, muss sie mündlich vollständig und richtig erfolgen, was auch die Aufklärung über die extreme Kostenbelastung des Fonds von deutlich über 20 % beinhaltet. Hierüber hatte in keinem uns bekannten Fall der Kapitalanlageberater informiert. Vorliegend hat vielmehr der Berater noch die angeblich breite Streuung der Investitionen als Risiko mindernd dargestellt, sodass ein Totalverlustrisiko auch noch verharmlost wurde. Dem Berater wurde dringend angeraten, die Berufung zurückzunehmen.“
Diese klaren Grundsätze könnten noch wichtig werden für Anleger der V +3 KG, bei denen Schadensersatzansprüche noch nicht infolge des Ablaufes der 10-jährigen absoluten Kenntnis unabhängigen Verjährungsfrist auszuschließen sind. Hier kann, nach vorheriger anwaltlicher Prüfung, über eine Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen gegenüber den eingesetzten Kapitalanlagenberaters und Vermittlern nachgedacht werden.
Ein solcher Schadensersatzanspruch umfasst auch die Freistellung von Forderungen des Liquidators, wie sie seit April gegenüber den Anlegern auch der V +3 KG erhoben werden.