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Gehen an Tankstellen die Lichter aus?

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Elektroautos können angeblich überall aufgeladen werden. Wer will das wirklich tun? Dafür werden keine Tankstellen gebraucht, aber E-Tanksäulen und E-Autos.

Autos mit Elektromotoren
Auftanken | © CC0/pixabay.com

Autos, die ihre Energie aus geladenen Batterien ziehen sollen, waren das Zukunftsthema auf der letzten Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt. Hersteller von Kraftfahrzeugen haben E-Autos in Planung oder schon im Sortiment. Auf deutschen Straßen fahren  nur 34.000. Illusionisten meinen, dass deren Zahl in den kommenden Jahrzehnten zunehmen würde. Benziner und Diesel seien nach deren Auffassung Auslaufmodelle.

Wäre dies wahr, hätte das unangenehme Folgen für eine Institution, die seit einigen Jahren mit ihrer Existenz zu kämpfen hat. In der Diskussion um die Elektroautomobilität wird diese Branche selten in die Überlegungen einbezogen. In Tankstellen ist seit den 1990er Jahren der Spritabsatz kaum gewachsen. Seit der Jahrtausendwende ist er zurückgegangen, weil die Autos immer sparsamer werden, d. h. auch weniger CO2 ausstoßen. Gleichzeitig steigen bei den Tankstellen die Kosten durch Umweltauflagen. Die Folge ist bei den Institutionen der „Unvergänglichkeit“ in den letzten Jahrzehnten identisch: Wie viele Banken, machen viele Tankstellen dicht. Etwa 14.500 gibt es heute gegenüber 45.000 in den 70-er Jahren. Fast 100.000 Menschen arbeiten in diesen Tankstellen (vgl. Scherff, Dyrk).

Mit den E-Autos könnte die Zukunft für diese düster aussehen –wäre da nicht die hohe Umweltschädlichkeit der E-Autos. Die Energiebilanz ist auch für E-Autos düster und im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren negativ, denn der Strom wird in (Braun-) Kohlekraftwerken erzeugt. Dabei werden für jedes E-Auto mehr Schadstoffe erzeugt als für vergleichbare konventionelle bisherige Autos. Hinzu kommt die Herstellung der Batterien. Die Batterieherstellung für einen E-SMART entwickelt so viele Schadstoffe wie 50.000 km Fahrten im SMART mit Verbrennungsmotor.

Die Zahl der Tankstellen wird nicht sinken, wenn Elektroautos umweltschädlicher Strom zur Abnahme angeboten wird. Dazu muss die Bevölkerung vorhanden sein die E-Autos erwerben wird. Warum sollten deutsche Menschen das tun? E-Autos sind leiser. Da dies zu Gefährdungen im Straßenverkehr führen kann, wird erwogen – wie bei AUDI-Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor und Lärmisolierung – künstliche Lärmentwicklung zu verlangen. Fußgänger sollen die Autos hören können.

Die Reichweite liegt für Kleinwagen mit E-Antrieb im Winter bei 70 km. Danach stehen bei anspruchsvollen Ladestellen 20 – 45 Minuten Ladezeit an – wenn eine Säule frei ist. Zu bezahlen ist die Zeit, in der eine Batterie Strom aufnimmt. Wenn vor einer E-Säule drei         E-Autos warten, ist der Tag für den vierten gelaufen. Die Bereitschaft für alternative Antriebe wird beim Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe analysiert.

Batteriefahrzeuge bringen – so sie in ausreichender Zahl existieren – neue Konkurrenz. Deren Besitzer besorgen sich den Strom nicht mehr an der Tankstelle, sondern an anderen Orten – zum Beispiel auf dem Parkplatz des Arbeitgebers, oder im Parkhaus während des Einkaufs, vor dem Supermarkt oder über Nacht von der Steckdose in der heimischen Garage.

In 90 Prozent der Fälle ist zu erwarten, dass E-Autos an diesen Punkten geladen werden. Soweit die Illusion, die noch lebt. Entgegen der Planung der Bundesregierung gibt es so gut wie keine E-Autos!

Im Umschwung melden sich die bisherigen Minister /innen zum Thema vom Gefühl her bereits aus der Opposition. Neue Energieformen für Autos seien ganz nett, aber primär seien die Interessen der Arbeitnehmer zu bewerten, die Kohle fördern, Elemente für Autos erstellen und gern die Sicherheit der bisherigen Arbeitsplätze hätten. Dafür sei das Konzept bisher produzierter Autos über das Jahr 2030 hinaus zu wahren – denn die deutschen Bundesbürger wollen Autos, die sofort fahren und das möglichst lange.

Wenn E-Auto, dann ist der Strom zu Hause am günstigsten und bequemsten zu bekommen. Die langen Ladezeiten werden schuld sein, wenn der Interessent an einem E-Auto im anderen Fall keines erwirbt. An konventionellen Ladestellen dauert es mehrere Stunden, bis die Batterie zu 80% voll ist. Bei E-Ladesäulen gibt es schon alte Techniken. Die dann erforderliche Zeit will niemand an der Tankstelle verbringen. Auch Schnellladesäulen brauchen noch etwa eine halbe Stunde, um die Batterien wenigstens zum Teil nachzuladen. Die Idee, Tankstellen zu Tauschstationen zu machen, an denen Autofahrer in wenigen Minuten geladene Batterien gegen ihre leergefahrenen wechseln, ist gescheitert. Der ehemalige SAP-Vorstand Shai Agassi hatte dazu ein eigenes Unternehmen gegründet, das müsste eine ausreichende Zahl von Batterien für jeden Autotyp vorrätig halten – logistisch ein sinnloses Unterfangen (vgl. Scherff ebda).

Für Tankstellen könnte sich die neue Konkurrenzsituation verschärfen, wenn das Ladenetz ausgebaut wird – und nicht an den bestehenden Tankstellen. Gerade hat die EU beschlossen, dass bis 2025 alle neuen oder renovierten Großgebäude eine Ladestation bekommen müssen. In sieben Jahren ein E-Auto erwerben? An Wohngebäuden soll auf jedem Parkplatz zumindest die Voraussetzung geschaffen werden, eine Lademöglichkeit zu installieren. Wer soll das bezahlen – Haus-und Wohnungseigentümer? Die Bundesregierung will den Aufbau eines Netzes von Ladegelegenheiten mit 300 Millionen Euro fördern. Damit soll die Zahl der Stationen in den nächsten Jahren um weitere 15.000 wachsen. In Stuttgart würden allein 8.500 gebraucht, wenn die Eigentümer von E-Autos bereit sind auch nach Mitternacht einige Stunden zu laden (Anm.: Die Besitzer der E-Autos könnten schon vorher geladen sein) – soweit die Analyse nach dem Urteil zu Dieselfahrzeugen bei hoher Schadstoffkonzentration! Der Stromkonzern ENBW will mitmischen; er hat den Aufbau von 1.000 Stationen bis 2020 angekündigt – ach ja, für Degerloch, einem südlichen Stadtteil von Stuttgart.

Die Mineralölgesellschaften halten sich auffallend zurück. „Als Geschäftsmodell sind Ladestationen an Tankstellen denkbar, wenn die Zeit zum Laden auf wenige Minuten verkürzt und die Nachhaltigkeit eines E-Antriebs erwiesen ist (Carré, Patrick). Um Erfahrungen zu sammeln, hat Shell angekündigt, Ladesäulen an Tankstellen in Großbritannien zu errichten. Aral beschäftigt ein Strategie-Team für Zukunftsfragen,  das Stromtanken an Tankstellen in den nächsten 20 Jahren für kein attraktives Geschäftsmodell hält.

Die Mineralölkonzerne hoffen berechtigt, dass Elektromobilität nicht so schnell an Bedeutung gewinnt und sie dadurch noch etwas Zeit haben den Antrieb mit Brennstoffzellen aufzubauen, der E-Autos obsolet machen würde. Mitglieder der voraussichtlich neuen Bundesregierung lassen verbreiten, dass  E-Autos nur dann umweltschonend sind, wenn der Strom nicht aus Kohle gewonnen wird – die Erfüllung dieser Voraussetzung wird dauern.

Die Kosten der Ausstattung von Tankstellen mit vielen Ladestationen bleiben unübersehbar. Mit Wasserstoff kann ein Auto – auch mit Elektromotor – in drei Minuten gefüllt werden.

Auf mehrere Millionen Euro sind die Umrüstkosten je Tankstelle anzusetzen. Dann sind niedrige Ladezeiten bei Tankstopps gefragt, sonst sinkt durch den Umstieg der Umsatz je Stunde. Säulen für Benzin, Diesel und Erdgas werden nicht obsolet – die wird es noch für viele Jahrzehnte geben. Die laufenden Kosten steigen, weil mehrere Energieträger parallel angeboten werden müssen.

Da es fraglich ist, ob sich unter den alternativen Antrieben überhaupt das Batterieauto durchsetzt, wird es zeitnah mit breitem Angebot Autos geben, die an Bord Strom aus Wasserstoff produzieren. Dafür wird ein Netz von Wasserstoff-Tankstellen aufgebaut. Sechs Firmen haben dafür ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, darunter Daimler und Linde. In Deutschland sollen zunächst Hunderte solcher Tankstellen entstehen. Die Reichweiten liegen bei den Testfahrzeugen der B-Klasse von Daimler bei ca. 600 km. Angestrebt sind mehr als eintausend Kilometer Reichweite.

Angesichts dieser Vorgaben mit hohen Umrüstkosten und alternativen Lademöglichkeiten  werden sich E-Autos nur in der Stadt durchsetzen. Selbst städtische Busse werden bereits mit Wasserstoffantrieb ausgestattet. Dennoch werden viele herkömmliche Tankstellen langfristig schließen. Elektroautos lassen sich für solche kurzen Strecken aber gut zu Hause oder im Parkhaus laden. Zudem gibt es in der Stadt schon viele öffentliche Ladepunkte. Wasserstofftankstellen können preisgünstiger betrieben werden. Auf dem Land könnten noch Jahrzehnte die nötigen Nachfragen von Kunden fehlen. Dauerhaft werden Tankstellen an Autobahnen und wichtigen Bundesstraßen mit allen Energieangeboten überleben.

Bei Fernreisen geht den zu Hause geladenen Batterien irgendwann der Saft aus; sie brauchen dann eine Zwischenladung. Das wird für einige Zeit oft vorkommen. Warum sollte der Bürger mit dem Bedarf längerer Fahrten ein E-Auto erwerben. In Berlin besitzen weniger als 40% der Familien überhaupt kein Auto. S-und U-Bahn lassen grüßen. An jedem zehnten Wochenende wird eben ein Auto gemietet – mit passender Ausstattung.

Und wie sieht es mit den Lastwagen aus? Es ist absehbar, dass der Bedarf an Diesel wegen des steigenden Güterverkehrs weiter steigen wird, bevor alternative Antriebe auch ihn zunehmend ersetzen. Das wird für 2050 angedacht, aber nicht mit Elektroantrieb.

Was passiert mit den Tankstellen, die nicht mehr benötigt werden oder denen die Umstellung auf Strom oder Wasserstoff zu teuer wird? Nicht alle müssen schließen. Einige könnten mit dem Geschäft weiterleben, mit dem sie schon jetzt drei Viertel ihrer Umsätze erzielen: mit dem Verkauf von Reisebedarf, also vor allem Lebensmitteln und Zeitschriften. Ohne diese lukrativen Zusatzgeschäfte müssten schon jetzt noch viel mehr Tankstellen dichtmachen. Der Verkauf funktioniert gut, weil die Kunden Tanken und Einkaufen verbinden. Tanken muss dafür aber nicht sein. Auf dem Land ist die Tankstelle oft der einzige Lebensmittelversorger – und könnte das ohne Zapfsäulen bleiben. In den Großstädten bietet eine Tankstelle nur außerhalb der Ladenöffnungszeiten Vorteile.

Neue Kooperationen sichern die Zukunft von Tankstellen – in 1000 Aral-Tankstellen mit „Rewe to go“; Shell arbeitet mit Amazon, das seine Paketschränke an den Tankstellen aufstellt, aus denen die Kunden zu jeder Uhrzeit Pakete abholen können. Versuche mit DHL sind bereits gelaufen. Shell stellt auch Kaffeeautomaten von Starbucks auf. Esso kooperiert mit Tchibo, Jet mit Edeka („Spar-Express“). Auch Bankdienstleistungen an Tankstellen sind denkbar. Schon jetzt kann an Shell-Tankstellen kostenlos Bargeld abgehoben werden.

Als die ersten Verbrennungsmotoren konstruiert wurden, gab es Benzin und Petroleum in Apotheken. Als erste „Tankstelle“ der Welt gilt die Stadt-Apotheke in Wiesloch bei Heidelberg. Dort kaufte Bertha Benz 1888 bei der ersten automobilen Fernfahrt der Geschichte von Mannheim nach Pforzheim das Leichtbenzin Ligroin ein. Ligroin diente damals gewöhnlich als Waschbenzin für die Reinigung von Kleidung. Erste Elektroautos gab es damals schon (s. Scherff ebda).

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