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Religion im Sinne des Fortschritts der Menschheit

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Fortschritt
Fortschritt | © CC0/pixabay.com

Diese Intention wird als geistige Verfassung unserer Mitmenschen im Umfeld gestellt. Sie soll die Religion von Menschen in der Gesellschaft erkennen und diese integrieren.

Dieser Beitrag baut auf einem Vortrag von Herrn Professor Dr. Dr. h. c. Wolfgang Huber, dem ehemaligen Ratsvorsitzenden der EKD, auf. Herr Prof. Huber ist ein profilierter deutscher Theologe und Vordenker in ethischen Fragen der Religion. Von 1994 bis 2009 war er Bischof. Er äußerte sich zur Rolle der Familie, zu Bildungsfragen, Bioethik, zum Verhältnis von Christentum und Islam sowie zur Ethik des Unternehmertums. Dabei fixiert er sich heute auf die Wertevermittlung in Wirtschaft und Gesellschaft. Dazu ist er als Publizist und Theologe in Berlin, Heidelberg und im südafrikanischen Stellenbosch tätig. Von seinen Ehrenämtern sei sein Vorsitz des Kuratoriums der Stiftungsgarnison Kirche Potsdam hervorgehoben.

Seine Argumentationen bezieht er auf Niklas Luhmann (1927 – 1998; Soziologe und Gesellschaftstheoretiker). Luhmann sieht die Gesellschaft nur in ihrer Gesamtheit ohne Einschränkung repräsentiert. Danach ist niemand auf der Welt auszuschließen, da die Menschheit eine einheitliche Grundlage hat und damit lebt. Die Begriffe zum Thema der Religion bilden einen Kreis in der Antwort auf die geistige Verfassung zur nationalen Gesetzgebung oder Berücksichtigung von Alter, Behinderungen und sexueller Orientierung. Zur usuellen Sexualität sind gleichgeschlechtliche und heterosexuelle Betrachtungen vorrangig zu definieren und in ihrer Vervielfachung der Allgemeinbildung zuzuordnen.

Dem können Fußballfans in Gruppenbildung der Vereine als Vergleich zugeordnet werden. Die Identität von Menschen ist vielschichtig und

  • nicht zu reduzieren auf enge Bereiche (Nationalsozialismus)
  • mit der Religion als Orientierung (Christentum)
  • der Zuordnung anderer Glaubensrichtungen mit vermutetem Pluralismus.

Die Folge ist die Identitätsfalle der Diversity (Gesellschaft) und gesellschaftlicher Unterscheidung von Biodiversität. Menschen präsentieren sich als individuelle Art durch mittelbare Pluralität. Dabei leben sie in der Gefahr nur noch sich selbst zu betrachten. Dies erfolgt nach den Vorgaben von Würde und Individualität mit Biographie. In der Kommunikation kommt es häufig zum Namensverlust des Gesprächspartners, der dem Vergessen durch tägliche Belastungen zugeordnet wird. Die Zuordnungen der Identitäten werden als Alibi verwendet

  • da Festlegungen persönliche Gestaltungen gefährden
  • Pluralität als für die Zeit relevant gesehen wird
  • Freiheitsgebrauch und -hoffnung identisch gewollt sind.

Als Argument besteht das Verlangen nach Recht und Ordnung. Dabei wird die Zuwanderung als Basis humanitären Handelns gesehen. Parallel dazu kann der Staat die Pluralität tät nicht sichern. Als Beispiel sei der Osten der Europäischen Union genannt. Dort besteht Angst vor Überfremdung der Bevölkerung ohne Gewichtung der Religion. Ohne dass dort viele Migranten leben oder diese zu erwarten sind, wachsen dort Bedenken. Befürchtet wird, dass sich die Heimat schnell wandelt. Für diese Sicht wird ein Umkreis gesehen, der selten verlassen wird. Damit entsteht die Empfindung, dass die Heimat – vermeintlich – verlorengehen kann.

Als erste Schlussfolgerung des Beitrags ist festzuhalten, dass der Populismus vermieden werden muss. Über die Differenzen lässt sich in einer Demokratie streiten. An dieser Stelle setzen die Präsentationen jeder individuellen Religion ein:

Dabei steht die Religion des Glaubens an Gott der Definition gegenüber, nach der sich Menschen im Glauben „unmusikalisch“ empfinden. Fundamentalisten erwarten sich Ungläubigen gegenüberzusehen. Dabei werden die Definitionen von Gott und eigene Überzeugungen verwechselt. Der Eindruck entsteht, dass die Zukunft der Religion dem Glauben konträrer gegenübersteht. Das Christentum ist als Faktor oder Alleinvertretungsanspruch zu sehen. Analog ist dies an Hinduismus ohne Anspruch auf ein Monopol zu sehen. Die Fragen stehen im Raum ohne die Fähigkeit einer Antwort präsentieren zu können.

Religion ohne Gott ist im Sinne des Monotheismus und bei der Beachtung anderer Glaubensvorstellungen als „ohne Wert“ zu definieren. Die Eigenständigkeit der Würde in der Sakralität des Menschen führt zur religiösen Pluralität. Diese ist ohne Existenz einer Religion selten. Religionslosigkeit lässt sich in der Definition der Befragten statistisch berücksichtigen. Danach kann es sein, dass Atheisten an einen selbst definierten Gott glauben und nicht ohne Religion sind. In der individuellen Definition leben in der Welt nach vorher 16% heute noch 13% ohne Glauben. In Deutschland definieren sich Menschen zu mehr als 30% als religionslos. Den Religionen sind Kulturen überzuordnen. Die beiden größten sind der Abrahamismus und die Sinologie. Dem Abrahamismus sind Judentum, Christentum und Islam untergeordnet.

Die drei letztgenannten Religionen haben das Alte Testament der Bibel nahezu deckungsgleich gemeinsam. Sie kennen Jesus. Nur im Christentum wird er als Gottes Sohn zugeordnet, der am Kreuz gestorben ist. Das Judentum und der Islam kennen Jesus als Wohltäter. Für den Islam ist er nach Mohamed der bedeutendste Prophet. Die Geburt Jesu ist im Neuen Testament der Bibel und im Koran des Islams (Sure 19, Vers 16-35) dargestellt. Das Textverständnis der Bibel ist schwieriger als das des später ins Deutsche übersetzten Korans. Das betrifft auch die Wiedergabe in lateinischen und italienischen Texten. Papst Franziskus versucht viele Texte, auch die des „Vaterunser“, verständlicher und dem Glauben näher darzustellen. Dem widersprechen die evangelische und die katholische Kirche Deutschlands für die christliche Religion. Begründungen der Bischöfe unterscheiden zwischen Gottgewolltem und fehlerhaften Übersetzungen der Ur-Christen aus dem Aramäischen (vgl. Quelle für FAZ pfef/flf. – 2017-12-15).

Jede Religion des Abrahamismus erkennt den monotheistischen Sinn eines identisch präsentierten Gottes mit gleichlautendem Glaubensbekenntnis an. Innerhalb der Religionen selbst kann es in Argumentationen zu Abweichungen kommen. Die Andacht von Muslimen in christlichen Kirchen wurde – im Hinblick auf noch fehlende Moscheen – erörtert.

Während sich 1950 Deutsche zu 90% als Christen definierten, sind es 2016 nur noch 55%. Die Gewichtung des Islams wird in Deutschland mittelfristig bei 20% erwartet. Die USA haben einen wesentlich höheren Anteil an Religiosität, wobei sich Atheisten in Umfragen als gläubig bezeichnen. In allen christlich orientierten Staaten wachsen säkulare Optionen. Bindungen bedeuten im Leben die Möglichkeit des Einflusses, wobei Glauben als Option gesehen wird. Die Religion wird in unterschiedlichen Formen in Notfällen des Lebens als Unterstützung erkannt.

Es ist zu erwarten, dass die Religion als Begriff nicht verschwinden wird. Sie hat allerdings keinen Anspruch auf ein Monopol. Dazu sind die Unterscheidungen grundlegend. Primär sollte das Ziel der Gläubigen des Christentums sein in seinen ökumenischen Ausrichtungen gemeinsam Führungen anzustreben.

Die argumentative Einbeziehung des Judentums und des Islams im Sinne des Abrahamismus kann zum Frieden im Zusammenleben führen. Der Ökumenische Kirchentag 2021 in Frankfurt könnte dafür als Ansatz zu sehen sein.

Dabei ist die Familie Basis für Heranwachsende. Freiheit und Verantwortung sind als Argumentationshilfe verbunden. Die Kritik an Kirchen sollte das Bewahren der christlichen Kirchen als Ziel haben. Die Zeit des Umbruchs und das Ende alter Gewissheiten verlieren ihre Fragestellung mit der Erkenntnis des Fortschritts im Epochenwandel. Die Machbarkeit führt bei vielen Menschen zur Enttäuschung, wenn sie sich an Vergangenem orientieren. „Nichts macht den Menschen argwöhnischer, als wenig zu wissen“ (Bacon, Francis – 1561 – 1626). Der Fortschritt darf nicht als Mode empfunden werden. In gleichem Maße darf die Vergangenheit nicht als das bisher Gute und damit in der Zukunft das Beste gesehen werden. „Hüte dich vor dem Diktat der Tradition und dem der Mode.“ (vgl. Bacon ebda.).

Die Grundlagen des Fortschritts sind die Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz (KI /AI). Sollte es daran aktuell Zweifel geben, können diese als Zukunftselemente zu hinterfragen sein. Technologien ordnen sich nach dem Gewinn des Selbstverständnisses analogen Strukturen der Menschen unter. Als Beispiel kann die Glorifizierung der autonomen Autosteuerung dienen. Diese wird dem Menschen unterstellt sein und bleiben, was seiner Überlegenheit gegenüber der Digitalisierung Ausdruck verleiht.

Der aus anderen Gründen „verrufene“ Kongress der G 20 in Hamburg hat die Zukunft als Basis des verständigen zukunftsfähigen Handelns gesehen. Die Gefahren der Abweichungen existieren, sollten aber für Menschen beherrschbar bleiben (Harari, Yuval Noah; Homo Deus – 2017). Das Leben der Menschen ist in der Zukunft mit Problemen behaftet. Die der Vergangenheit wurden beherrscht, waren damit jedoch nicht kleiner. Menschen gehen durch neue Lebensphasen und erleben im pulsierenden Rhythmus Änderungen in Klima und Zusammenleben. Vieles wiederholt sich im Verlauf der Jahrtausende.

Das aktuelle Zeitalter wird als Anthropozän definiert. Als „weltübergreifendes“ Problem werden Klimaänderung und Abfallerzeugung hervorgehoben. Ob dieses Zeitalter zur geologischen Epoche führt bleibt als Betrachtungen der Basis fraglich. Insbesondere stehen Überlegungen an, ob die Steuerung vollständig in menschlicher Hand bleiben wird. Der Versuch alle Änderungen menschlichem Fehlverhalten zuzuweisen, ist verfehlt.

Nicht jede Änderung orientiert sich am Größenwahn von Menschen. Interessengruppen wie der „Club of Rome“ haben ihre Befürchtungen seit 1965 immer wieder geäußert. Sie konnten nichts daran ändern, dass die Entwicklungen davon abgewichen sind. Menschen können an Bewegungen im Innern der Erde nichts ändern. Plattenverschiebungen sind ohne menschlichen Einfluss. Sie werden zu Vulkanausbrüchen führen, die seit Jahrtausenden Verschiebungen des Klimas auf der ganzen Erde und Hungersnöte ohne Ernten bewirkten – in den letzten 200 Jahren 1815 und 1885!

Das Ziel Verbesserungen zu erreichen geht von der UNO aus. Ein Erfolg ist doch nicht zu verzeichnen. Die Definition des Fortschritts wird in den Entwicklungen der Zukunft zu sehen sein. Die Verantwortungsethik besteht darin nicht Voraussehbares zu erwarten, aber auch nicht alles zu befürchten (Weber, Max; 1864 – 1920 – deutscher Soziologe und Nationalökonom). Die Menschheit sollte erkennen, dass sie nicht alles machen muss, was sie machen kann. Der Fortschritt ist unumgänglich und ein Verlangen an das zukünftige Leben.

Die Auswirkungen muss jede Gruppe für sich und andere im Sinne der für sich selbst definierten Religion gewichten. Dabei steht Bewahren als Grundlage gegenüber dem Verändern. Menschen aller Erdteile werden bisher unbekannten Kulturen näherkommen, diese besser kennen lernen und benötigen.

Unabhängig von dem Wachstum der Bevölkerung in der Zukunft muss die Menschheit davon ausgehen, dass sie seit Beginn der Industrialisierung die Substanz der Erde als Angebot ungleich ausnutzt. Die Menschheit verbraucht gemeinsam die Substanz von 1,5 Erden und wird damit leben müssen, dass sie die Erde spätestens in einigen Jahrhunderten verlassen muss.

Wissenschaft, Völker und ihre Politiker wollen den Bestrebungen folgen den Planeten Mars dafür geeignet zu gestalten (Hawking, Stephen – 2017). Bis dahin werden wir in der dann aktuellen Verfassung mit dem Anspruch der individuellen Religion an den Fortschritt im Dienste der Menschheit glauben.

 

  • Religion im Sinne des
  • Fortschritts der Menschheit
  • SZ-17.50-1