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Lev Landau und die Ecole 42 in Wien

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Die Ecole 42 ist, so liest man auf Wikipedia, eine private, gemeinnützige und gebührenfreie IT-Schule. Sie wurde vom französischen Unternehmer Xavier Niel gegründet. Der eigenartige Name 42 ist eine Hommage an das Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ des britischen Autors Douglas Adams, dem die Idee dazu übrigens an einem Campingplatz in Innsbruck (Reichenau) kam.

Das Modell der Schule wurde in Paris, Fremont (Kalifornien), Lyon, Rumänien, Südafrika, Ukraine, Bulgarien, Moldau, Belgien, Russland, Marokko und Finnland bisher gut übernommen. Nunmehr startet eine Ecole in Wien und eine weitere ist in Westösterreich geplant.

Jeder ab 18 Jahren kann sich als Bewerber melden. Der Auswahlprozess umfasst zuerst Aufmerksamkeits- und Logiktests und die Fähigkeit zum Erlernen der Programmierung. Nach einem weiteren, vierwöchigen Vorkurs dauert die Ausbildung zwei bis fünf Jahre. Die Didaktik ist der Peer-to-Peer-Pädagogik entlehnt.

Geht man etwas weiter in der Geschichte zurück, so ist das Prinzip gar nicht so neu. Lev Landau aus Baku (Aserbaidschan) hat dieses Prinzip schon vor knapp 100 Jahren in der Physik eingeführt.

Landau war ein physikalisches Wunderkind und Nobelpreisträger für Physik. Er begann schon im Alter von 14 Jahren an der Universität Physik zu studieren. Da seine Leistungen so hervorragend waren musste er nie ein Doktorat schreiben und wurde schließlich Physikprofessor. Landau war der Meinung, dass jeder Physik studieren konnte, wenn er nur das „erforderliche Minimum“ mitbrächte.

Aus der Schule von Landau gingen eine Menge hervorragende und brillante Mathematiker und Physiker hervor. Landau konzipierte dazu ein spezielles Aufnahmeverfahren, welches entsprechende Anforderungen an die Kandidaten stellte. Lev Landau stellte schon damals gängige Schulsysteme stark infrage.

Die Anforderung der Gesellschaft an die Wissenschaft hat sich verändert. Gemäß dem technischen Entwicklungsstand werden in der einen oder anderen Wissenschaftsdisziplin Absolventen gesucht. Entsprechend entstehen auch neue Studienrichtungen.

Der Generationenwechsel und die Revolution 4.0 zeigen einen erhöhten Bedarf an IT Fachkräften, welcher nicht mehr durch normale Schul- und Studienformen gestillt werden kann. Zudem ist es offensichtlich, dass langwierige Aufnahmeverfahren nicht unbedingt zu einer Sättigung und Ruhigstellung des Arbeitsmarktes in bestimmten Bereichen geführt hat.

Man denke nur an die unsäglich kompliziert gewordene Situation um etwa Medizin studieren zu können. Die Aufnahmeverfahren sind nichts sagend und garantieren keinen Studienerfolg. Viele heute, erfolgreiche Professoren in der Medizin hätten sich diesen Aufnahmeverfahren niemals gestellt. Es geht eine ganze Generation an begabten, jungen Menschen verloren.

Selbst wenn man vielleicht eine Promotio sub auspiciis Praesidentis rei publicae (also Promotion unter den Auspizien des Bundespräsidenten) hat so zeigt die Geschichte, dass dies keine Garantie für Kreativität oder Innovation ist. Es bestätigt nur, dass man besonders gut, unter gewissen Bedingungen, Studienleistungen erbringen kann.

Lev Landau hielt bis zu seinem Tode an seinem Konzept des freien Zuganges zu Studien fest. Nach seinem viel zu früh im Tode ist diese Idee wieder verloren gegangen. Vielleicht werden wir in absehbarer Zeit, um den Bedarf an IT Kräften, Medizinern oder anderen Studienabsolventen wieder aufzufüllen, auf diese Idee von Lev Landau verstärkt zurückgreifen müssen.