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Lebensversicherungen gelten als langfristig gebundene Kapitalanlagen mit im Vergleich zum Sparen sicheren Zuflüssen, die bei Auszahlungen am Ende der Laufzeit bisher höher ausfallen.

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Lebensversicherung als Kapitalanlage
Lebensversicherung als Kapitalanlage | © CC0/pixabay.com

Lebensversicherungen gelten als langfristig gebundene Kapitalanlagen…[/caption]

Zumindest sind die Auszahlungen in den  letzten Jahrzehnten höher ausgefallen als in Hochrechnungen vom Vermittler beim Abschluss avisiert. Das brachte das sonst graue oder schräge Licht, unter dem Mitarbeiter von Versicherungen stehen bzw. gestanden haben, zum Leuchten. Dabei wurde unterbelichtet, weshalb die Verträge abgeschlossen worden sind. Wie der Name ausdrückt sollen Versicherungen etwas versichern – nämlich das Leben der versicherten Person, die nicht zwingend der Versicherungsnehmer sein musste. Aus steuerlicher Sicht war und ist es besser, dass Versicherungsnehmer und versicherte Person nicht identisch sind. Dennoch handelt /e es sich bei dem Vertragsabschluss um einen Vertrag, der Versicherungsschutz beinhaltet /e. Sowohl Versicherungsnehmer als auch Vermittler stellen gern den Gewinn in den Vordergrund, den der Versicherungsnehmer erlangen soll. Zu Lebzeiten soll das Kapital fließen, denn über den Tod spricht keiner gern. Der Begriff des Angebots einer   Kapitallebensversicherung sieht bei den Akteuren das Kapital im Vordergrund.

Bemerkenswert ist, dass solche Kapitallebensversicherungen im Ausland wenig bekannt sind. Dort regiert noch die Trennung von Leben, Tod und Kapital. In vielen Ländern werden auf das Leben Versicherungen abgeschlossen, die in Deutschland als Sonderform betrachtet werden. Der Begriff der „Risiko-Lebensversicherung“ klingt umständlich genug, um als nicht zwingend notwendige Versicherungsform betrachtet zu werden. Wer auf der Basis eines derartigen Vertragsabschlusses das Ende der Laufzeit überlebt (hat), hält den Vertrag für ungünstig, denn das eingezahlte Geld ist weg.

Die Kapitallebensversicherung zeigt rechnerisch und beim Nachweis den gleichen „Verlust“ der Risikoprämie auf, verspricht aber eine Kapitalauszahlung, die höher ist als die Summe der über Jahre eingezahlten Versicherungsprämien. Es fällt in den Betrachtungen „unter den Tisch“, dass Kapital für den Versicherungsnehmer und dessen Hoffnung aufs Überleben des Auslaufes eingesetzt wird und nur zum geringen Teil für die möglicherweise allein überlebende Familie. Es ist positiv zu sehen, wenn das Leben an die erste Stelle gesetzt wird. Weniger positiv ist, dass die Hinterbliebenen im Todesfall nicht viel von dem Kapital erhalten. Es ist Im Ergebnis weniger als das Ergebnis eines Sparprogramms auf Basis des Geldwertes – von Sachwerten wie Aktien ganz zu schweigen.

Richtig ist, dass der Vermittler für die Vermittlung – der in diesem Fall zur Familienbesicherung einzig sinnvollen Form  der Risikolebensversversicherung – nur einen Bruchteil der Provision bekommt, den er bei gleichem Kapitalschutz des (Über-)Lebens erhalten würde. Der Versicherungsnehmer vertritt die gleiche Meinung: Das schöne Geld beim Überleben verloren!

Das heute für die Kommunikation Unbefriedigende – wieder für beide Seiten – sind die verminderten, früher versprochenen Überschüsse, die bei allen Gesellschaften erwartet wurden. Nicht zuletzt können Versicherungsunternehmen nicht zaubern, denn der Geldmarkt hat nicht mehr die Kraft Zinsüberschüsse zu erwirtschaften. Die noch realisierbaren Gewinne stammen aus früheren langfristigen Bindungen und werden zeitnah auslaufen.

Die Alte Leipziger Lebensversicherung beichtet als erste über die nachteiligen Ergebnisse für Versicherungsnehmer von Kapitallebensversicherungen. Als erstes Unternehmen hat sie ihre Überschussbeteiligung für das kommende Jahr bekanntgegeben. Die Verzinsung klassischer Renten-und Kapitallebensversicherungen war viele Jahre der Maßstab in der Branche. Nun verliert diese an Aussagekraft, weil die Produkte nur noch eingeschränkt im Neugeschäft angeboten werden. Die laufende Verzinsung für klassische Rentenpolicen wird auf 2,5 Prozent fallen, ohne dass dies als das Ende des Abrutschens zu definieren sei.

Produkte dieser Art werden nur noch im Kollektivgeschäft – also der betrieblichen Altersvorsorge – angeboten. Allen anderen deutschen  Gesellschaften am Versicherungsmarkt schwinden auch die Kräfte. Im Neugeschäft mit Privatkunden setzen die Anbieter auf Produkte, bei denen Kunden die Höhe der Garantie und die Beteiligung am Aktienmarkt gegeneinander austarieren können. Dafür fällt die laufende Verzinsung auf höchstens 2,6 Prozent. Im Vergleich zu klassischen Policen mit jährlicher Zinsgarantie (0,3 Prozent) werden diese Verträge auch bei der Schlussüberschussbeteiligung mit 0,4 Prozent bessergestellt. Hinzu kommt eine Sockelbeteiligung von 0,1 Prozent, so dass sie für das Jahr 2018 auf eine Gesamtverzinsung von 3,1 Prozent kommen. Die klassischen Verträge werden in diesem Jahrzehnt mit 2,9 Prozent Gesamtverzinsung versehen.

Wenn entgegen den Darstellungen von Hoffnungsträgern davon auszugehen ist, dass die Zinsen mittelfristig um nicht mehr als 0,5  Prozent pro Jahr steigen werden, werden die Überschüsse von den o. b. Versicherungsverträgen weiter fallen. Das betrübt die Versicherungsnehmer auch ohne die früher relevante höhere Inflation.

Wenn in den kommenden Tagen die anderen rund 80 Lebensversicherer ihre Überschussbeteiligungen veröffentlichen, werden die Werte im Vergleich niedriger als früher sein. Die Bauart der Policen mit eingeschränkten Garantien unterscheidet sich sehr stark – und somit auch das damit verbundene Risiko (vgl. FAZ-Plus_2017-11-27).