Start Allgemein Der Russland-Ukraine Krieg im 21. Jahrhundert: Cognitive Warfare

Der Russland-Ukraine Krieg im 21. Jahrhundert: Cognitive Warfare[1]

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Die klassische Kriegsführung ist in den letzten Jahrzehnten durch die Möglichkeiten im Weltraum und durch das Internet erweitert worden. Insbesondere wird durch den Cyberraum versucht, auf unsere Meinung Einfluss zu nehmen. Dies betrifft natürlich gegenwärtig den Krieg zwischen Russland und der Ukraine.

Gerade die Cyberdomäne durchdringt, nahezu instantan, den Informationsraum und wie wir Krieg wahrnehmen.  Das kostbarste Gut heißt hierbei Information. Es geht darum das Innere unserer Köpfe zu beeinflussen. Also unser Erleben und Verhalten. Hier haben wir es mit zutiefst psychologisch verankerten Gebieten zu tun.

Bereits etwas zum Start des Krieges ist es zu Cyber-Übergriffen von der russischen Seite auf die Ukraine gekommen. So hat zum Beispiel die russische Seite gezielt versucht eine Informationskriegsführung durchzuführen. Die russische Seite hatte durch den Einsatz von Drohnen gezielt Kurznachrichten an Soldaten ausgeschickt, um zu suggerieren, dass die ukrainische Regierung bereits gefallen ist. Die ukrainische Seite hat leider eine Zeit gebraucht um sicherzustellen, dass diese Information unwahr gewesen ist.

Man ist also in der Lage über mehrere Dimensionen den Krieg zu führen.- durch Cyberangriffen und auf dem Gefechtsfeld. Hinter diesen Operationen auf der russischen Seite sind die russischen Nachrichtendienste, das russische Verteidigungsministerium und das Außenministerium zu verorten.

Aktuell geht es nicht mehr um das Frontgeschehen. Vielmehr versucht die russische Seite in der Cyberdomäne Ängste zu schüren: nicht vorhandenes Getreide und Hungersnöte, wiederholte Drohung durch taktische Nuklearwaffen und nukleare Katastrophe. Über allem schwebt die Angst vor einem harten Winter und eines ökonomischer Kollaps in Europa.

Hinzu kommen Metaerzählungen. Dazu gehört etwa, dass die Sanktionen möglicherweise den Westen härter treffen als Russland. Die ukrainische Seite wiederum bedient die Narrative, dass mit unsere Unterstützung der Widerstand aufrecht gehalten werden kann. Hinzu kommt das Narrativ Europa müsse sich gegen die russische Aggression verteidigen. Es geht um Werte einer demokratischen Ordnung und Kampf gegen Russland.

Russland zeigt ebenfalls Narrative, welche es für die eigene Bevölkerung einsetzt. Es ist nicht der Kampf Russlands gegen die Ukraine, nein, es ist der Kampf des Westens, also der USA und der NATO, gegen Russland. So wird auch der große, vaterländischen Krieg der Großväter noch einmal beschworen.

Es kann sein, dass die Entscheidung nicht auf dem Schlachtfeld, sondern an der Heimatfront fällt.

Man darf zudem nicht vergessen, dass nicht die gesamte Welt die Ukraine unterstützt. Die Unterstützung kommt vorwiegend von der westlichen Wertegemeinschaft. Der Westen wird nun, in den nächsten Wochen und Monaten, aufgrund des Rohstoffmangels, massiv unter Druck geraten. Auch hier entwickelt sich der Krieg wie ein Strategiemanöver. Russland hat diesen Krieg zunächst militärisch begonnen. Der Westen hat mit wirtschaftlichen Sanktionspaketen geantwortet. Russland setzte darauf auf seine Wirtschaftskarte. Die entscheidende Frage ist, wer den längeren Atem hat. Die verständlichen Demonstrationen der Bürger in Europa zeigen bereits feine Risse in den westlichen Metaerzählungen.

Der Konflikt wird weitergeführt bis an unsere Computer. Wenn die Ukraine aus dem Westen nicht unterstützt wird, kann sie vermutlich den Krieg nicht weiter fortführen. Vieles wird von den kognitiven Haltungen der Bürger abhängen, die großen Erzählungen, die Metaerzählungen, beginnen zu bröckeln. Niemand will Krieg.

Was im 20. Jahrhundert die Physiker mit ihrer Atombombe waren sind im 21. Jahrhundert die Sozialwissenschaften, welche gleich wie nukleare Bomben Schaden anrichten. Im Gegensatz zum 20. Jahrhundert ist ihre Kontrolle jedoch beinahe unmöglich geworden.

[1] Für eine mehr strategischen Perspektive sei auf https://youtu.be/cV1IV8BQ-k4 verwiesen.