Start Wirtschaft Corona-Effekt: Kleinere Immobiliendeals bleiben außen vor

Corona-Effekt: Kleinere Immobiliendeals bleiben außen vor

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Immobilieninvestoren schlossen im April dieses Jahres auffällig wenig kleinere Geschäfte mit Gewerbe- und Wohnimmobilien ab. Das international bekannte Immobilienberatungsunternehmen Savills sieht darin bereits einen ersten messbaren Effekt der Corona-Krise laut einem Artikel des Haufe-Verlages. Die Prognose geht davon aus, dass es bei den großen Deals vermutlich erst verzögert zu einem messbaren Einbruch kommen wird.

Transaktionsvolumen im April sehr schwach

Das Transaktionsvolumen für Immobilieninvestments im April belief sich nach Angaben von Savills auf ca. 2,3 Milliarden Euro – dies markiert einen Tiefpunkt seit August 2012. Dabei fielen insbesondere die prägnanten Umsatzrückgänge bei den kleineren Transaktionsgrößen unter 25 Millionen Euro auf – diese Transaktionen verzeichnen im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um ca. 20 %. Im Segment 25 bis 100 Millionen Euro Transaktionsgröße war hingegen „nur“ ein Rückgang um ca. 10 % zu verzeichnen. Bei den großen Deals über 100 Millionen Euro Transaktionsgröße wurde sogar eine Zunahme von ca. einem Drittel registriert. Savills rechnet jedoch damit, dass sich bei diesen großen Deals der Rückgang erst noch zeigen wird, weil die Verkaufsprozesse hier generell langwieriger sind. Am meisten gehandelt werden aktuell Büroimmobilien – hier war der Rückgang dann auch weniger stark als bei viel schwächer getradeten Assetklassen wie z. B. den Wohnimmobilien.

Weitere Folgen der Corona-Krise kaum zu prognostizieren

In einer Umfrage durch Jones Lang LaSalle (JLL) unter Nutzern und Eigentümern sowie Projektentwicklern und Banken kam heraus, dass etwa 34 % der Befragten sicher sind, dass die ursprünglich für 2020 erwarteten Ziele nicht mehr erreichbar sind. Nur knapp die Hälfte der Anleger will an den ursprünglichen Transaktionsplänen für 2020 festhalten, 9 % schlossen sogar jegliche, weitere Transaktionen im laufenden Jahr aus. Die Mehrheit ist zudem der Meinung, dass bereits negative Auswirkungen der Corona-Krise auf das Fremdkapital für die Investitionstätigkeit spürbar seien und dass sich die bestehenden Immobilienwerte während der andauernden Krise negativ entwickeln werden. Insgesamt ist zu beobachten, dass die Verunsicherung sehr hoch ist und die weiteren Folgen sich wohl kaum abschätzen lassen. 34 % der Immobilieneigentümer sehen signifikante Auswirkungen auf den Flächenbedarf und die Mehrheit meint, dass nun Zugeständnisse an die Mieter gemacht werden müssen, beispielsweise in Form von Stundungen oder Nachlässen.

Wie kann den möglichen negativen Folgen entgegengewirkt werden?

Investoren sollten derzeitig vorsichtig sein. Momentan kann keine wirkliche Prognose bezüglich der Auswirkungen und der Dauer des negativen Einflusses gegeben werden. Eine umsichtige Investmentstrategie sollte deshalb im Vordergrund stehen. Bei einer solchen Strategie stehen vor allem die Kapitalpflege und die Liquidität im Fokus. Das bedeutet, dass ein defensives Cashflow-Management angewendet werden sollte – Mieteinnahmen, Mieterbetreuung und Aufbau einer Liquidität sollten zentrale Anforderungen sein. Die Vermietungsquote sollte hoch gehalten werden und Betriebsausgaben auf das nötige Minimum zurückgefahren werden. Auf Portfolioebene sollten Fremdfinanzierungsanteil und Stressfaktoren so gering wie möglich Einfluss finden, eventuell können Kreditvereinbarungen neu oder sensitiver verhandelt werden. Allerdings bietet jede Krise auch Chancen, die es zu identifizieren gilt: Durch finanzielle Notlagen oder auch Marktpsychologie können Sektoren mit guten Aussichten Verwerfungen unterliegen, die übertrieben sind. Hier sollte der aufmerksame Investor handlungs- und investitionsbereit sein, um sich hohe Chancen für die Zukunft zu sichern.

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