Start Allgemein Cengiz Ehliz – Interview zum Berufungsverfahren in Antwerpen

Cengiz Ehliz – Interview zum Berufungsverfahren in Antwerpen

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Die schriftlichen Urteilsgründe des Freispruchs in Antwerpen liegen vor. Grund genug einmal den Unternehmensgründer Herrn Cengiz Ehliz zu den Hintergründen zu befragen und das Urteil vom 24. November 2021 auszuwerten.

Frage:

Das Urteil des Appellationsgericht Antwerpen – 2020/CO/355 – ist mit fast einhundert Seiten ziemlich ausführlich, Herr Ehliz. Warum so ausführlich bei einem Freispruch?

Antwort Ehliz:

Cengiz Ehliz im Interview
Urteil des Appellationsgericht Antwerpen – 2020/CO/355

Glücklicherweise ist alles genau geprüft worden. Das Gericht in zweiter Instanz hat sich viel Mühe gegeben und alles genau aufgearbeitet. Außerdem ist es eine längere Prozessgeschichte, die mit Beschwerden von Partnern aus den Beneluxländern am 31. Oktober 2014 losging. Die meisten Personen kannte ich gar nicht persönlich. Ursprünglich scheint eine Vertriebsintrige der Grund gewesen zu sein. Die Vermutung, weil jemand nicht 2014 befördert und nicht Landeschef werden konnte, wurden Dritte aufgehetzt, findet Bestätigung. 

Frage: 

Worum ging es bei diesem Berufungsverfahren?

Antwort Ehliz:

Das Berufungsverfahren bezog sich auf den Vorwurf des Betrugs und Schneeballsystem im großen gewerbsmäßigen Stil bei der FLEXCOM INTERNATIONAL AG. Ein Vorwurf war: „Der Verkauf von POS Terminals sei ein Betrug gewesen, weil wir eine Banklizenz benötigt hätten.“ Das war allerdings juristisch falsch!

Betroffen waren auch Manager aus den Beneluxstaaten. Ursprünglich glaubte die Staatsanwaltschaft und das erste Gericht sie seien einer riesigen „Verschwörung“ auf der Spur. Sozusagen „fremde Mächte“ unterwandern die Wirtschaft vor Ort. Im Grunde führte eine einfache Beschwerde von einigen Partnern vor Ort, wie ein Kieselstein in einem See zu einem schweren Tsunamie. Das Verfahren entwickelte ein Eigenleben. Und das obwohl die Beschwerdeführer später sich aber kaum kümmerten.

Frage: Folge des Verfahrens war dann das Urteil des Strafgericht Antwerpen vom 11. Februar 2020? Wie kam es denn zu dem harschen Urteil gegen Sie und die anderen Manager?

Antwort Ehliz: 

Im Grunde im schriftlichen Verfahren; ein Mitangeklagter war ja niemals in Kenntnis gesetzt und worden und ich hatte das Rechtssystem in Belgien falsch eingeschätzt. Es gab aus meiner Sicht falsche Vorwürfe und dann schwerwiegende Verfahrensfehler. Ich war überhaupt nicht vor Gericht gewesen in erster Instanz. Plötzlich gab es ein Urteil mit 40 Monaten Haft! Das war ein Schock und nicht nachvollziehbar. Sofort in Berufung gehen war genau richtig, meinen Anwälten bin ich wirklich dankbar und auch dem Gericht in der Berufungsinstanz. Der Freispruch resultierte aufgrund der Sachlage und einer genauen Prüfung in mehreren Terminen, in Sitzungen vom 24. Februar 2021, 21. April 2021 und 29. September 2021 und den Zeugenaussagen. Problematisch war auch die belgische Sprache für mich in dem Verfahren. Ich konnte allerdings in der Berufung auch auf Deutsch antworten und Rede und Antwort stehen, weil das Berufungsgericht Deutsch verstand.

Frage: 

Was hat das Berufungsgericht denn nun festgestellt?

Antwort Ehliz:

Das Berufungsgericht hat in erster und zweiter Instanz endgültig entschieden und auch die Strafsache und Zivilsache zusammen behandelt. Es gab einen 100%igen Freispruch für drei Angeklagten und die Zivilklagen wurden sämtlichst abgewiesen.

Das Gericht hat die Historie genau erfasst: erfolgreich hatten wir in der Türkei ein Kundenbindungsprogramm installiert und weiterentwickelt sowie nach Europa gebracht. Original heisst es im Urteil: Es wurde festgestellt, dass der Beklagte EHLIZ diese Idee – das Kundenbindungssystem  FLEXKOM – im Jahr 2011 erstmals in der Türkei im Rahmen eines türkischen Unternehmens  umgesetzt hat, wo es auf lokaler Ebene in Form eines Pilotprojekts funktionierte.“ Dann hat das Gericht unsere Strategie erfasst und festgestellt, dass wir fair und offen vorgegangen sind und uns an erfahrene Kaufleute gewandt hatten.

„Das Gericht stellt fest, dass die beabsichtigte schrittweise Inbetriebnahme des  Kundenbindungssystems FLEXKOM pro Stadt/Region in einem Dokument vom 11. April 2013  bestätigt wird, in dem FLEXKOM vorgestellt wird (siehe Akte 45 der Zivilteilungsklage,  insbesondere Punkt 8 „Wie eröffnet man ein neues Land?“).“ Zusammengefasst: es kann keinen Betrug geben, wenn ein funktionierendes System offen erfahrenen Kaufleuten angeboten wird.

Das Gericht lobt unsere Herangehensweise und sagt, „dass das Konzept des FLEXKOM Kundenbindungssystems aus kommerzieller Sicht ein sehr valides, innovatives Konzept ist,  was durch mehrere Aussagen von Vertretern / Vertriebshändlern von FLEXKOM (jetzt  Zivilparteien) bestätigt wird.“ 

Dankbar bin ich für die Darstellung im Urteil: „Darüber hinaus war das von FLEXKOM Deutschland verfolgte Konzept einer schrittweisen  Inbetriebnahme und Implementierung des FLEXKOM-Kundenbindungssystems, wie oben skizziert, ein wirtschaftlich realistischer Ansatz. Der Aufbau eines Netzes kompetenter lokaler Agenten / Vertriebshändler, die über das Wissen und die Infrastruktur verfügen, um  das Konzept in einer späteren Phase an lokale Einzelhändler zu vermarkten, ist ein wirtschaftlich sinnvoller Ansatz. Diesbezüglich stellt der Hof fest, dass das gesamte Konzept in Belgien und den Niederlanden von den FLEXKOM-Gesellschaften in Zusammenarbeit mit dem Netz von Vertretern / Vertriebshändlern eigenständig aufgebaut und umgesetzt werden  musste.“ 

Das Gericht kritisierte nur, dass wir den weiteren Aufbau in Belgien und den Niederlanden nicht ausreichend streng kontrolliert haben, dass sei ungeschickt, aber kein Betrug. Das Gericht stellte die Frage, ob die die FLEXKOM Hirngespinst oder ein Scheinunternehmen“ gewesen sei und stellte fest, dass das nicht stimmt. Die Beschwerden von Dritten wurden daher zurückgewiesen, weil das Gericht meinte, diese könnten beim besten Willen und längerer Prüfung nicht als Opfer gelten.

Frage: Was ist ihr Fazit Herr Ehliz?

Antwort Ehliz:

Nach langem Kampf gab es Lob von der Justiz für unser Geschäftsmodell. Ich habe das Vertrauen in den Rechtsstaat zurückgewonnen. Meine Anwälte verklagen jetzt die Anzeigenerstatter und den belgischen Staat auf Schadenersatz in Millionenhöhe. Ich habe meine Steuern immer korrekt gezahlt und meine, dass jeder vor Gericht fair behandelt werden muss. Da geht es mir darum Missstände aufzudecken. Außerdem kann es nicht angehen, dass einfach Verleumdungen in die Welt durch Dritte gesetzt werden, die dann einen Millionenschaden verursachen.